Weil ich meine Rechte ernst nehme


Hallo ihr Lieben

Vor etwa zehn Monaten wurde ich endlich erwachsen. Ich weiss nicht, ob ich es euch schon einmal erzählt habe, doch ich wollte schon immer erwachsen sein. Endlich selbst entscheiden und ganz wichtigen Erwachsenen-Kram machen. So wollte ich morgens nicht in den Kindergarten, sondern viel lieber zur Arbeit. Wollte keinen Mittagsschlaf, sondern lieber eine Kaffeepause machen und anstelle von Hausaufgaben wollte ich Steuererklärungen ausfüllen (ok, so krass war es nicht, ich wusste natürlich nicht, was eine Steuererklärung ist).

Ja, und letzten Dezember war es dann endlich so weit: Ich wurde erwachsen. Es ist schon ein unendlich schönes Gefühl, auch wenn ich mir manchmal meine Kindheit etwas zurückwünsche (z.B. wenn ich irgendwo anrufen muss - schlimmstes Erwachsenen-To-do).


Achtung, jetzt wird es crazy: Auf was ich mich nämlich am meisten gefreut habe am erwachsen werden war nicht der Autoführerschein und auch nicht der Alkohol. Tatsächlich war es die Befähigung endlich abstimmen und wählen zu dürfen. Ich freute mich wie ein Schnitzel, als ich meine erste Stimme abgeben durfte und auch jetzt, liebe ich das Gefühl wenn im Briefkasten mein Stimmrechtsausweis (so heisst das bei uns in der Schweiz) liegt.


Ich liebe das Gefühl mitbestimmen zu können und will mir gar nicht vorstellen, wie es sein muss absolut keine Stimme haben zu dürfen. Gerade die Direkte Demokratie bei uns in der Schweiz finde ich ein super System. Wir können nicht nur wählen, sondern auch direkt über Gesetze und Vorlagen abstimmen. Ich finde es grossartig zu wissen, dass auch ich als "normaler Bürger" etwas bewegen kann.


Wie ihr seht, ich liebe das System in der Schweiz, doch wisst ihr was ich überhaupt nicht mag? Dass die Schweiz eines der letzten europäischen Länder war, die das Frauenstimmrecht eingeführt hat. Wenn ich schon nur daran denke wird mir schlecht. Nun, was mich wirklich zum Kotzen bringt: Frauen (aber auch Männer), die ihr Recht nicht ernst nehmen. Menschen, die die kreativsten Ausreden bereit haben, um nicht abstimmen zu müssen.


An alle Frauen: WTF, unsere Grossmütter gingen auf die Strassen um ihr Recht einzufordern. Meine Mama war drei Jahre alt, als ihre Mutter zum ersten Mal ihre Stimme abgeben durfte. Wie kann man diese ganze Arbeit so verachten? Und ja, ich finde es verachtend, nicht abstimmen/wählen zu gehen, das Recht nicht zu nutzen, welches man dank harter Arbeit unserer Vorgängerinnen einfach so auf dem Silbertablett präsentiert bekommt.


An alle: Es gibt leider auch heute noch genug Länder, in denen man nicht mitbestimmen kann. In denen man als Bürger eine Marionette der Regierung ist. Ja, vielleicht ist es einfacher, wenn einem alles abgenommen wird. Aber ist es nicht befremdlich, wenn die Regierung einem sagt was man zu denken hat? Sollte man das Denken wirklich abgeben?


Ich weiss, wer zum ersten Mal einen Stimmrechtsausweis oder irgendwelche Wahlunterlagen erhält ist vielleicht etwas überfordert. Das ist auch völlig ok und normal. Wenn man es aber mal gemacht hat, ist es überhaupt nicht mehr schwierig.


Vielleicht hast du das Gefühl, dass du absolut keine Ahnung von Politik hast. Vielleicht findest du es falsch deine Stimme abzugeben ohne das du wirklich Bescheid weisst. Ja, es ist falsch einfach irgendetwas zu stimmen. Aber ist es nicht genauso falsch in einem Land zu wohnen und über die Strukturen des Landes keine Ahnung zu haben?

Es ist deine Pflicht dich einwenig damit zu befassen. Stelle dir doch mal vor es würden alle nach dem Motto: "Ich habe keine Ahnung, deshalb stimme ich nicht ab und befasse mich auch nicht mit dem Kram" denken. Das wäre fatal!





Um es dir etwas einfacher zu machen, gibt es hier eine kleine Anleitung:


1.) Nehme dir Zeit

Nur wenn du dir genügend Zeit nimmst, kannst du dir eine Meinung bilden


2.) Stimmrechtsausweis ansehen

Öffne deinen Umschlag und sehe dir deine Unterlagen an. Um was geht es eigentlich? Ist es eine Abstimmung? Geht es um Wahlen? Wen betreffen die Entscheidungen? Geht es um etwas nationales oder kantonales?


3.) Informieren & Diskutieren

Geht es um eine Abstimmung, erhältst du mit deinem Stimmrechtsausweis eine kleine Broschüre, in der alles genau beschrieben ist. Diese Broschüre ist jedoch nicht ganz einfach geschrieben. Falls du etwas anschaulichere Informationen möchtest, schaue bei https://www.easyvote.ch vorbei. Da gibt es Zusammenfassungen und Erklärvideos.

Bei einer Abstimmung ist es interessant sich mit anderen auszutauschen und Diskussionen zu führen. Je nach dem erweitert es deinen Horizont und du kannst so deine Meinung überdenken. WICHTIG: Austausch ist gut und sehr sinnvoll, du solltest dir jedoch IMMER deine eigene Meinung bilden und zu ihr stehen. Auch wenn du deine Freunde magst: Stimme immer nur für oder gegen das, was dir zusagt!

Geht es um Wahlen kannst du dich mit den "Wahlempfehlungs-Broschüren" informieren. Diese werden dir vor den Wahlen per Post zugestellt. Du kannst dich aber auch bei https://www.easyvote.ch informieren oder einen Test durchführen. Du beantwortest einfach einige Fragen und das System spukt dir die passenden Kandidaten aus.


4.) Ausfüllen

Gerade bei den Wahlen ist es etwas kompliziert die Zettel auszufüllen. In den Unterlagen findest du jedoch eine Anleitung. Zudem gibt es auf https://www.easyvote.ch/ eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung. Achtung: Füllst du deinen Stimm-/Wahlzettel falsch aus, ist er ungültig. Aber keine Sorge: Das schaffst du schon.


5.) Urne/Briefwahl

Ich stimme eigentlich immer brieflich ab. Das heisst ich fülle den ganzen Kram aus und stecke ihn wieder in den Umschlag. Nun kann ich den Brief einfach in den nächsten Postbriefkasten einwerfen.

Du kannst aber auch direkt am Wahl-/Abstimmungstag deine Stimme an der Urne abgeben. Da musst du dich informieren wann dein Stimmlokal in deiner Gemeinde die Stimmen entgegen nimmt.


Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, oder?

Also, nix wie los! Auf was wartest du?


Liebe Grüsse

Chiara



© Chiara Elisa | 2019

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