Warum nicht zusammen?

Aktualisiert: Mai 21


Das Coronavirus lauert an jeder Ecke und versetzt alle in Angst und Schrecken. Alle haben Panik, verschanzen sich in ihre Häuser. Alle? Alle, bis auf Lieselotte. Lieselotte ist 90 Jahre alt, hat den Krieg miterlebt und schon die eine oder andere Grippe überlebt. Deshalb ist sie nun auch fest davon überzeugt, dass das Coronavirus ihr gar nichts kann. Und wenn auch, sterben müsse sie sowieso, sagt sie und wechselt im Supermarkt von der Gemüse- in die Fleischabteilung.


Alle haben Panik, die Schüler gehen nicht mehr zur Schule und treffen sich nicht mehr zum gemeinsamen Lernen oder „abhängen“ im Park. Alle? Alle, bis auf Hannah. Zur Schule geht sie zwar auch nicht, doch nach dem Call mit ihren Lehrern trifft sie sich gerne mit ihren Freunden im Park.

Bis spät in die Nacht sitzen sie da und trinken vor dem Fenster von Elisabeth (78) ihre Wodkaflaschen. Elisabeth hat Angst. Nicht vor Hannah und ihren Freunden, sondern vor dem Virus. „Die heutige Jugend nimmt absolut keine Rücksicht! Nur wegen euch gibt es dieses Corona überhaupt“, brüllt sie von ihrem Fenster aus, nachts um halb eins. „Du als SVP-Wählerin brauchst uns gar nichts zu sagen!“, brüllen Hannah und ihre Freunde zurück. „Klimawandel-Lügnerin!“, ruft einer noch nach. „Ohne uns wärt ihr gar nichts!“, brüllt Oma Elisabeth zurück. „Aber ohne euch würde es wenigstens den Eisbären gut gehen!“, kontert Hannah. „Ja, genau solche Gutmenschen seid ihr, aber auf eure Ferien auf Bali wollt ihr dennoch nicht verzichten und ohne eure Handys wärt ihr doch sowieso nichts!“, diskutiert Elisabeth. „Wir reisen mit dem verdammten Zug und vielleicht sollte eure Generation endlich mal lernen, wie das mit den Handys funktioniert, anstatt dauernd gegen jeglichen Fortschritt zu sein!“, brüllt Emil, Hannahs Freund.

In solche Diskusionen werde ich oft verstrikt.


Trage ich einen Jutebeutel kommt: „Ein Jutebeutel bringt jetzt auch nichts, wenn du das Biogemüse in der Verpackung kaufst.“


Sagt mein Opa, dass ihm momentan viele Leute zu nahe kommen und er Angst vor dem Virus hat, kommt: „Man geht auch mit 80 zurzeit nicht einkaufen! Ehrlich, bleib mal zu Hause! Wir sollen es schliesslich auch um EUCH zu schützen!“

Beschliesse ich das vegetarische Menü zu nehmen kommt: „Du weisst schon, dass Fleisch essenziell für die Ernährung ist und überhaupt ändert ich absolut gar nichts, wenn du jetzt den Braten verschmähst.“


Trägt meine Oma eine Gesichtsmaske kommt: „Ojeh, die schütz dich überhaupt nicht und sowieso sterben musst du eh! Vielleicht wäre es sowieso gut für die Rentenkasse und das Kima!“

WTF!


Was ist hier los?


Es ist doch verdammtnochmal scheissegal wer was wann und wo gemacht hat! Es ist scheissegal wie alt oder jung jemand ist.

Warum können wir uns nicht auf jeden einzelnen Menschen konzentrieren. Seine guten Taten in den Mittelpunkt stellen und nicht gleich ganze Generationen über einen Kamm scheren.


Soll’ ich dir mal etwas verraten?

Ja, es gibt die Hannahs oder andere, die sich nicht an die Regeln halten, Coronapartys veranstalten oder Fridays for Future als Ausrede fürs regelmässige Schuleschwänzen nutzen.

Ja, es gibt die Lieselottes oder andere, die sich nicht an die Regeln halten, trotzdem Einkaufen gehen oder den Klimawandel leugnen.

Aber es gibt doch auch noch so viele andere Menschen auf der Welt und meinetwegen auch in einer Generation. Es gibt so viele ältere Menschen, die seit Wochen auf ihre gemeinsamen Wanderungen und das Schwätzchen im Einkaufsladen verzichten und die Klimaziele unterstützen. Und genauso oft gibt es viele jüngere Menschen, die auf ihre Abschlussparty in der Schule verzichten und stattdessen per Videocall auf ihren Abschluss anstossen.

Können wir Menschen vielleicht einfach mal was zusammen machen? Einfach mal zusammen das Projekt „Corona-Bekämpfung“ angehen und später auch gemeinsam an den Klimazielen zu arbeiten.


Keiner muss alles perfekt machen. Bevor ein älterer Mensch depressiv wird, darf er auch mal wieder in einen Einkaufsladen ohne böse Blicke zu kassieren und manchmal darf auch ein jüngerer Mensch mal eine, fürs Klima schädliche, Avocado geniessen ohne als Schulschwänzer bezeichnet zu werden.


Denn, weisst du was? Die meisten handeln nach bestem Wissen und Gewissen. Und die, die das nicht tun, könnten wir doch einfach mit unserem Verhalten anstecken. Wenn wir uns zusammentun, sind wir vielleicht genauso ansteckend wie Corona.


Ein Versuch ist es wert, finde ich.

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