Ganz viel: „Ouuu, bist du sicher?“ & der Weg zu (m)einem „Ja.“




Hallo ihr Lieben

Eigentlich wollte ich wirklich schon ganz lange diesen Artikel schreiben und obwohl ich ganz viele Ideen habe, will er einfach nicht aus meinem Kopf, über die Tastatur, zu euch auf den Bildschirm wandern. Manchmal gibt es das. Ich habe einige Tage Pause gemacht und wage heute nun einen neuen Versuch, vielleicht gelingt es mir ja, heute den Artikel zu schreiben.


So, jetzt bin ich also an diesem Punkt, an dem ich die letzten Tage so oft aufgehört habe zu schreiben. Wie leite ich nun von diesem „Small-Talk-Anfang“ zum eigentlichen Thema über? Schliesslich will ich ja nicht von meinen Schreibblockaden berichten, sondern wie der Titel schon sagt, von den ganzen „ouuu, bist du sicher?“ und meinem Weg zum „Ja“.

Vielleicht erstmal ein kurzes Update? Vor wenigen Wochen habe ich meine Fachmatur in der Fachrichtung Pädagogik abgeschlossen. Witzig, denn vor ca. 3-4 Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich das einmal sage, schliesslich wollte ich damals noch Journalistin werden und meine Fachmatur in der Fachrichtung „Medien & Kommunikation“ machen. Hat sich alles etwas anders ergeben, deshalb nun „Pädagogik“. Dass ich aber nicht Lehrerin werden will, weiss ich etwa seit der 6. Klasse.

Da ich es hasse (das ist kein übertriebener Ausdruck), „keinen Plan“ zu haben, habe ich mich immer wieder mit der Berufswahl auseinandergesetzt. Das heisst jetzt nicht, dass ich meinen Plan nicht immer mal wieder verändert oder gar komplett umgeschmissen habe. Dennoch gab es eigentlich nie eine längere Phase, in der ich nicht wusste, was ich später einmal werden will. Ich brauche dieses klare Ziel, etwas worauf ich hinarbeite. Darüber habe ich schon oft geschrieben/gesprochen, weil ich glaube, dass dies jeweils mein grösster Motivator ist.

Mein Ziel momentan: Psychologie studieren.

Um dieses Ziel genau zu definieren und damit die Motivation zu stärken, habe ich mich natürlich immer auch genauestens informiert, wie ich da hinkomme. Und wie immer gibt es zahlreiche Wege. Manche sind etwas direkter, andere führen über Umwege und teilweise auch über Hindernisse zu meinem Ziel. Puh, gar nicht so einfach. Was damals aber schon feststand: Ganz gradlinig wird es nicht. Wobei, das (also ein kurviger Faden) zieht sich schon durch mein ganzes Leben, aber das zu erzählen würde nun definitiv den Rahmen sprengen.

Durch meine Fachmatur kann ich nicht direkt an die Uni, dafür braucht man eine „Matur“ ohne das Fach vorne dran. ;-) Ich habe mir also überlegt an eine Fachhochschule zu gehen (merke: da steht „Fach“ vorne dran, also sollte dies kein Problem sein). Wunderbar, Psychologie kann man auch an der Fachhochschule studieren, die Sache schien gegessen. Bis…ja, eigentlich bis meine Mama mich folgendes fragte: „Warum gehst du nicht den Weg über die Passerelle*, um an die Uni zu gehen?“ Ich reagierte total schockiert: „Was, spinnst du?! Das ist suuuuuper schwer! Das schaffe ich niiiieee! Da gehen nur Leute mit einem 6-er Schnitt (Achtung: Schweizernoten) hin! Ich habe diesen Schnitt sowieso nicht! Meine Schulleiterin sagt es ist suuuuper hart! 40% Durchfallquote! NIE IM LEBEN!“ Ok, dieser Vorschlag schien zum Scheitern verurteilt. Für mich war es beschlossene Sache: NIE IM LEBEN WERDE ICH MICH DA BEWERBEN.

*Passerelle: Die Passerelle ist in der Schweiz eine Ergänzungsprüfung zur Berufsmatura (Anmerkung: oder Fachmatura) und berechtigt zur Aufnahme an einer universitären Hochschule (Universität oder ETH) in der Schweiz. (Quelle: Wikipedia)


Eines Tages kam die Schulleiterin zu uns in die Klasse und fragte, wer denn nun alles Pädagogin/Pädagoge werden möchte. Ich meldete mich natürlich nicht. Sie fragte nach und ich erzählte von meinem Plan, damals also vom Plan an die Fachhochschule für „Angewandte Psychologie“ zu gehen. Ihre Antwort wahnsinnig bestärkend & vor allem total angenehm so vor der ganzen Klasse: „Da haben Sie ja etwas vor. Sehr, sehr, sehr schwierig! Eine der höchsten Durchfallquoten! Mit einem ironischen Unterton: „Da wünsche ich Ihnen ganz, ganz viel Spass.“ PENG. Upsala - vielleicht doch keine so gute Idee - schoss es direkt in meinen Kopf. Dann begann das Grübeln.


Irgendwann war ich so wütend, dass ich mir dann doch die Aufnahmekriterien für die Passerelle angeschaut habe. Diese schienen doch nicht so utopisch zu sein, wie es uns in der alten Schule immer eingetrichtert wurde. Ich dachte mir also: „Wenn Scheitern, dann aber so richtig und mit Anlauf bitte.“ Die Entscheidung schien festzustehen. Ich erzählte es meinen Eltern. Sie bestärkten mich in meiner Entscheidung, was wirklich gut tat.

Nun folgten jedoch gaaaaaanz viele „Ouuu, bist du dir sicher?“. Ich wusste das bestimmt ein paar solcher Reaktionen kommen würden. Deshalb beschloss ich zum Beispiel auch, dass ich unter keinen Umständen der Schulleiterin davon erzählen werde. Trotzdem: Immer (in etwa 90% der Fälle) wenn ich etwas zu meinem Plan erzähle, höre ich sowas wie:


„Ouuu, bist du dir sicher?“

„Ich kenne XYZ die/der hat das auch gemacht und ist kläglich gescheitert!“

„Ich habe gehört das ist suuuuper schwer!“

„Wassss?!?! Wie kannst du es wagen!?!“

„Das ist im Fall nicht so easy wie du vielleicht denkst.“

„Viel Spass, kenne jemanden der deshalb ein Burnout hatte.“

„Puhh, das ist soooo viel Stoff! Warst du denn auch wirklich soooo gut in der Schule?“

„40% Durchfallquote, weisst du schon, oder?!“


Bestärkend, oder?

Puhh, wisst ihr, irgendwo finde ich mich in den ganzen Aussagen auch ein bisschen wieder. Ist ja nicht so, als könnte mein Kopf nicht auch solche Gedanken produzieren (hat er natürlich auch). Und auch ich habe schon zu anderen Leuten ähnliche Dinge gesagt. Ich habe manchmal das Gefühl, wenn jemand beschliesst nicht den 0-8-15-Weg zu gehen, mutieren wir alle zum Täufelchen auf der einen Schulterseite und pflanzen noch mehr Zweifel-Gedanken in den Kopf unseres Gegenübers.

Ein Beispiel bei dem ich so oder ähnlich reagiert habe? Klar, gibt es: „Ich möchte einen Sprachaufenthalt machen.“ Meine Antwort: „Ouu, bist du sicher?“ „Und was ist, wenn du absolut nichts verstehst?“ „Was ist, wenn deine Gastfamilie richtig schlimm ist und dich nur ausbeutet?“ „Es gibt viele Erfahrungsberichte darüber!“


Heute könnte ich mich für diese Aussagen ohrfeigen. Dabei war es überhaupt nicht böse gemeint, im Gegenteil es waren meine eigenen Sorgen/Bedenken, die mich von einem Sprachaufenthalt bisher abgehalten haben. Warum? Das weiss ich auch nicht so genau. Ich glaube es schoss einfach reflexartig aus mir heraus, schliesslich handelt es sich dabei um Ängste.

Aber, wenn ich euch etwas sagen kann: In einer solchen Situation ist das Letzte was eine Person braucht die Sorgen, Ängste und Horrorstories anderer Leute zu hören. Die meisten haben sowieso schon ganz viele eigene Exemplare davon im Kopf (leider).

Vielmehr brauchen wir in solchen Situationen einen bestärkenden, mutmachenden Satz. Oder einfach ein „Oh, cool“. Ganz ehrlich, wenn einem nichts besseres einfällt dann lieber sowas, als ein „Ouu, bist du dir sicher?“.


Und ich? Ich habe mich mittlerweile angemeldet. Im Spätsommer startet die Passerelle und ich blicke positiv in die Zukunft. Ja, vielleicht wird es kein Spaziergang. Ja, vielleicht muss ich einiges dafür tun. Aber ich bin bereit dafür. Und ja, vielleicht funktioniert mein Plan auch nicht. Aber dann ist es so. Tatsächlich hat mich das altbekannte Motto bestärkt, dass besagt: „Lieber scheitern als irgendwann bereuen es nicht versucht zu haben.“


Es hat wirklich lange gedauert, bis ich mich von einem „ouuu, bist du sicher?“ nicht mehr habe einschüchtern lassen. Bis ich auf die Frage endlich mein „Ja.“ antworten konnte. Aber so ist das halt manchmal mit den Grübeleien im Kopf.


Die Sternchen auf dem Bild haben übrigens eine Bedeutung. Irgendwann in meinem Prozess habe ich mir überlegt, dass ich für jedes „ouu, bist du sicher?“ oder ähnliche Aussagen ein Sternchen falte und in mein Glücksglas packe. Ich bin ein Fan davon, doofe Siuationen, Sprüche, Gedanken… in ihr Gegenteil zu verdrehen. Diese Sternchen symbolisieren nun also meinen gesammelten Mut, mich gegen die ganzen Argumente zu stellen. Meinen Weg zu gehen - wie auch immer der aussieht.